• ru flag
  • de flag

07 April 2026 - Am Fest der Verkündigung der Heiligen Gottesmutter hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am Fest der Verkündigung der Heiligen Gottesmutter hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin

Am 7. April 2026, am Dienstag der Karwoche, dem Fest der Verkündigung der Heiligen Gottesmutter, hielt Erzbischof Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, in der Auferstehungskathedrale in Berlin die Stundengebete mit Evangeliumslesung, die Typika-Gebete und die Vesper mit der Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomos.

Am Vortag, dem 6. April, hielt Erzbischof Tichon in der Kathedrale eine Allnachtwache mit Litanei.

Seiner Exzellenz konzelebrierten der Sekretär der Diözese und Domkustos, Erzpriester Michail Divakov, der Dekan des Ostbezirks, Erzpriester Georgij Antonjuk, Erzpriester Ioann Dorosh, Erzpriester Oleg Evseev (Diburg), Erzpriester Ilja Chirin, Erzdiakon Vitali Sadakow und Erzdiakon Archil Tschikwadze.

Nach dem Kommunionvers hielt Erzpriester Ilja Chirin eine Predigt:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das große Fest der Verkündigung der Allerheiligsten Gottesmutter fiel in diesem Jahr auf die Tage der Karwoche. Und dieser Umstand hilft uns, die Bedeutung dieses Festes tiefer zu begreifen. ‚Heute ist der Anfang unserer Erlösung‘, heißt es im Festtroparion, das heißt: ‚Heute beginnt unsere Erlösung‘: Die Empfängnis des Sohnes Gottes durch die Jungfrau Maria vom Heiligen Geist ist der Beginn der Erfüllung des göttlichen Plans für unsere Erlösung. Der Preis unserer Erlösung ist das Leiden und der Kreuzestod Christi.

Wir sehen, wie die der Allerheiligsten Jungfrau versprochene Menschwerdung des Sohnes Gottes zur Erlösung der Welt tragisch endet: Christus kommt in unsere Welt, um sein Leben für die Seinen hinzugeben (Joh 15,12–13). Der der Gottesmutter erschienene Erzengel Gabriel verkündete ihr die Geburt ihres Sohnes, der groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden würde. Gleichzeitig bedeutete dies jedoch, dass Er die Welt durch Sein Blut, Seine Leiden und Seinen Tod erlösen würde. Die Gottesmutter nahm die frohe Botschaft mit großer Demut und Sanftmut an: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Mit diesen Worten gab die allheilige Jungfrau Maria ihre freiwillige Zustimmung, die Mutter des Erlösers der Welt zu werden und damit alles auf sich zu nehmen, was Er um unseretwillen zur Erlösung erdulden musste. Im Tempel zu Jerusalem prophezeite Simeon, der Gottempfänger, der Jungfrau Maria die Herzensqualen, die wie ein Schwert ihre Seele durchbohren würden (Lk 2,35). Seine Prophezeiung erfüllte sich am Kreuz des Herrn, als die allheilige Jungfrau Maria mit mütterlichem Herzen mit ihrem göttlichen Sohn mitlitt und mit ihm litt, als würde sie das blutige Opfer ihres Sohnes darbringen, damit die Welt das Heil erhalte.

Das Fest der Verkündigung zeigt uns ein Beispiel tiefster Demut, dem wir nacheifern sollen. Christus selbst sprach: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11,29). So wie Stolz und Bosheit Unfrieden, Aufruhr und Unruhe in unser Leben bringen, so bringen die Tugenden Sanftmut, Demut und Geduld im Gegenteil Frieden, Eintracht und Ruhe in die menschliche Seele. Als der Erzengel Gabriel vor der Jungfrau Maria erschien, gab sie uns durch ihre sanfte Antwort ein Vorbild, dem wir nacheifern sollen.

Wir sollen, wie die Gottesmutter, alle Ereignisse, die in unserem Leben geschehen, mit Sanftmut und Dankbarkeit annehmen. Der Herr tut nichts mit uns gegen unseren freien Willen. Er zwingt den Menschen niemals, sondern überlässt es ihm, alle Entscheidungen selbst zu treffen. Wir wählen unsere Worte und Taten und tragen die Verantwortung für unser Handeln. Ohne den freien Willen könnten wir uns nicht vervollkommnen und geistlich wachsen. Selbst die Menschwerdung Gottes wurde, nach den Worten des Heiligen Gregor Palamas, nur dank der freien Zustimmung der Unbefleckten Jungfrau Maria möglich.

Wenn wir heute die Gottesmutter preisen, wollen wir ihrem tugendhaften, heiligen Leben nacheifern, ihrer Demut und Sanftmut, ihrer Unterwerfung unter den Willen Gottes, ihrer Geduld und Tapferkeit in den Leiden. Die Allerheiligste Gottesmutter gibt uns ein Beispiel für die höchste Vollkommenheit, die ein Mensch erreichen kann. Durch ihr makelloses Leben hat sie bei Gott Gnade gefunden (Lk 1,30). Das bedeutet, dass auch jeder von uns in seinem Leben Gnade erlangen kann, wenn er fromm lebt, jeden Stolz ablehnt und den Willen Gottes in Demut annimmt, denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“ (Jak 4,6). Amen.“

Nach Beendigung der Liturgie vollzog der Klerus die Lobpreisung des Festes. Erzbischof Tichon wandte sich mit einer bischöflichen Ansprache an die in der Kirche Versammelten.

Zum Abschluss gratulierte Erzpriester Michail Divakov im Namen des Klerus und der Laien Erzbischof Tichon zu seinem Namenstag und überreichte ihm einen Blumenstrauß.