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15 März 2026 - Am Sonntag der Kreuzverehrung hielt Erzbischof Tichon von Ruza die Göttliche Liturgie in der Gemeinde der Auferstehung Christi in München

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am Sonntag der Kreuzverehrung hielt Erzbischof Tichon von Ruza die Göttliche Liturgie in der Gemeinde der Auferstehung Christi in München

Am 15. März 2026, dem Sonntag der Kreuzverehrung, hielt Erzbischof Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Gemeinde der Auferstehung Christi in München.

Am Vortag, dem 14. März, leitete der Erzbischof die Allnachtwache und vollzog die Zeremonie der Kreuzausführung in der Kreuzerhöhungskirche bei der südlichen Diözesanresidenz in München.

Seiner Hoheit konzelebrierten der Gemeindevorsteher, Erzpriester Nikolai Zabelich, Priester Anatolii Schäffer und Erzdiakon Archil Tschikwadze.

Die Gesänge wurden vom Männerchor unter der Leitung des Lesers Matthäus Kobro vorgetragen.

Nach der besonderen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden verlesen.

Nach dem Kommunionvers hielt Priester Anatolii Schäffer eine Predigt:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Durch Gottes Gnade, Brüder und Schwestern, haben wir die Mitte der Großen Fastenzeit erreicht. Das Fasten ist ein untrennbarer Bestandteil des christlichen Lebens. Er ist eines der notwendigsten Mittel für ein frommes Leben des Christen. Doch das Fasten allein kann dem Menschen noch keinen Seelenfrieden und keine Erlösung bringen, wenn es nicht mit jenem Ziel im Einklang steht, um dessentwillen man darauf zurückgreift. Die Tugend des Fastens wird vollbracht, um die sündigen Regungen des Fleisches zu schwächen und die geistigen Kräfte des Menschen zu stärken. Heutzutage beklagen sich viele, dass sie nicht ohne zerstreute Gedanken beten können, dass ihr Herz während des Gebets kalt und gefühllos ist, dass es keine Rührung gibt, keine Reue über die Sünden, keine Buße. Sogar im Körper spürt man Schwere und Trägheit. Der Grund dafür ist nicht selten das Fehlen des Fastens. Das Herz wird durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken beschwert, und der Geist wird von einer Vielzahl von Eindrücken überflutet, die der Mensch durch das Sehen, Hören und Geschwätz aufnimmt. Diese visuellen und akustischen Bilder tauchen in verschiedenen Kombinationen im Bewusstsein des Betenden auf, und der Mensch kann keine Minute mehr ohne Ablenkung beten.

Ohne die Hilfe des Fastens ist der Mensch jedoch oft machtlos, sein Sehen, Hören und Sprechen zu zügeln. Hier ist, was der Heilige Simeon der Neue Theologe dazu sagt: „Das Fasten, als Arzt unserer Seelen, demütigt bei dem einen Christen das Fleisch, zähmt bei dem anderen den Zorn, vertreibt bei dem einen den Schlaf, reinigt den Geist und befreit ihn von Gedanken, während es bei einem anderen die Augen davon abhält, umherzuschauen und neugierig zu sein, sondern ihn dazu anregt, auf sich selbst zu achten und seine eigenen Sünden und Unzulänglichkeiten zu betrachten.“ Um uns zu stärken und zu ermutigen, die Tugenden des Fastens fortzusetzen, stellt uns die Heilige Kirche nun das lebensspendende Kreuz Christi vor Augen. Damit erinnert sie uns an jene Leiden und Taten, die der Herr Jesus Christus um unseres Heils willen erdulden musste, und erinnert uns zugleich an unser eigenes Kreuz, das wir zur Reinigung und zum Heil unserer Seele tragen müssen. Schon am Taufbecken weiht uns die Heilige Kirche mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes. Von frühester Kindheit an segnet die liebende Mutter mit segnender Hand die Stirn ihres Kindes mit dem Kreuz. Das Kreuz, als kostbares Heiligtum und treue Waffe gegen den geistigen Feind, befindet sich auf der Brust jedes orthodoxen Christen. Und am Ende unseres irdischen Lebens wird das heilige Kreuz auf dem für jeden von uns unvermeidlichen Grab dargestellt und wird zum stillen Wächter über dem Grabhügel – als Zeichen unseres Glaubens an den Erlöser und unserer Hoffnung auf die Auferstehung.

Das Kreuz Christi ist zwar ein Zeichen des kommenden Gerichts, zugleich aber auch ein Zeichen der grenzenlosen Liebe des Erlösers zu den Menschen. Genau diese Liebe hat den Herrn zum Kreuz und zum Tod geführt, um uns zu erlösen. Deshalb sollten wir nicht verzweifeln: Der Herr ist jederzeit bereit, dem Menschen zu vergeben und seine Reue anzunehmen. Christus hat Seine Liebe dadurch bewiesen, dass Er, obwohl Er wahrer Gott ist und auf dem Thron der Herrlichkeit thront, vom Himmel auf die Erde herabgestiegen ist, Mensch geworden ist, sich den schweren Bedingungen des menschlichen Lebens gestellt hat und Entbehrungen, Leiden und Mühen ertragen hat. Dreißig Jahre lang trug Er den Gedanken an die bevorstehenden Kreuzesleiden in sich. Dreieinhalb Jahre lang ertrug Er den Verräter Judas an Seiner Seite und behandelte ihn wie einen Freund. Schließlich wurde der Herr schrecklichen Demütigungen, Qualen und dem Tod ausgesetzt – und trotz alledem kühlte Seine Liebe zur Menschheit, die Ihn ans Kreuz gebracht hatte, nicht im Geringsten ab. Im Gegenteil, Er sorgte unablässig für das Heil der Menschen: Er belehrte sie geduldig, tat ihnen Gutes, heilte Kranke, erweckte Tote zum Leben, vergab Bosheit und Verhärtung, weinte über die Hartnäckigkeit der Menschen und betete sogar am Kreuz zum himmlischen Vater für Seine Kreuziger.

Gewöhnlich erwidert man Liebe mit Liebe, aus einem Gefühl der Gerechtigkeit und Dankbarkeit heraus. Deshalb müssen auch wir auf die Liebe des Erlösers mit einer vollkommenen, opferbereiten Liebe zu Ihm antworten. Aber lieben wir den Herrn? Die Antwort auf diese Frage gibt unser Leben. Der Herr selbst sagte: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der liebt mich …“ (Joh 14,21). Wenn wir also die Gebote Christi erfüllen, dann lieben wir Ihn wirklich. Wenn wir aber gegen sie handeln, bleibt unsere Liebe nur ein Lippenbekenntnis. Heute haben wir im Evangelium die Worte des Erlösers gehört: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34). Dieses Gebot verlangt von uns, uns selbst zu verleugnen, das heißt, auf Selbstsucht, sündige Neigungen und Taten zu verzichten. Sie ruft uns dazu auf, Christus nachzufolgen – seine Lehre zu lieben und unser Leben nach dem Vorbild seines Lebens zu gestalten. Ein weiteres Gebot Christi ist das Gebot der Nächstenliebe. Der Herr sagte zu seinen Jüngern: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34). Das bedeutet, dass wir nur dann wahre Jünger des Herrn sind, wenn wir dieses Gebot erfüllen. Leider, Brüder und Schwestern, haben wir uns so an das Bild des Kreuzes gewöhnt, dass wir manchmal nicht mehr über seine Bedeutung nachdenken. Das Kreuz ist für uns seit unserer Kindheit so vertraut geworden, dass wir seine geistige Kraft nicht mehr spüren. Dabei ist das Kreuz für jeden von uns eine Waffe im Kampf gegen den Teufel und eine starke Stütze in allen Lebenslagen.

In einer Welt, die immer mehr einem Labyrinth der Ausweglosigkeit und Langeweile gleicht, in einer Welt, in der Bomben auf die Köpfe von Alten und Kindern fallen, in der Menschen nach Belieben ihr Geschlecht ändern oder selbst entscheiden, wann sie aus dem Leben scheiden wollen, in der Liebe und gegenseitiges Verständnis zu einem enormen Mangel werden – müssen Christen Menschen der Liebe, Menschen der Verantwortung und Menschen des Gebets sein. Ob der Mensch es will oder nicht, in der Mitte des Universums steht das Kreuz Christi, und vor ihm kann man sich nicht verstecken und man kann sich nicht abwenden. Wie Sofronius von Jerusalem ausruft: „Freue dich, Kreuz, Schild des Großen Königs, unter dessen Schutz jeder Sieg bereitet wird!“ Das Kreuz ist immer eine Entscheidung: mit Gott oder ohne Ihn. Das Kreuz ist das größte Zeugnis der Liebe Gottes zur Menschheit. Gewähre uns allen, Herr, die Fastenzeit und die Zeit der Buße heilsam zu verbringen und, wenn wir das Ende der heiligen Fastenzeit erreichen, mit geistlicher Freude die Lichtreiche Auferstehung Christi zu feiern. Amen.“

Nach Beendigung der Liturgie vollzogen Erzbischof Tichon und der Klerus die Verehrung des Kreuzes des Herrn. Anschließend wandte sich der Erzbischof mit einer Ansprache an die Versammelten.

Am Nachmittag hielt Erzbischof Tichon auf dem Baugelände eine Besprechung zum Bau der Holzkirche ab, erörterte mit dem Chefarchitekten des Projekts, Andrej Obolenski die Anstrich- und Schutz- sowie Dekorationsarbeiten am Gebäude, hörte sich den Bericht des Lesers Matthäus Kobro über den Stand der Dacharbeiten sowie Vorschläge zum Bauzeitplan an. Die nächste Besprechung ist für Montag, den 16. März, angesetzt.