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20 Juni 2026 - Grußwort des Erzbischofs Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, anlässlich des Abschlusses des Studienjahres an der Orthodoxen Theologischen Schule

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Grußwort des Erzbischofs Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, anlässlich des Abschlusses des Studienjahres an der Orthodoxen Theologischen Schule

Liebe Dozenten und Absolventen!

Von Herzen gratuliere ich Ihnen allen zum Abschluss der Orthodoxen Theologischen Schule und zur Überreichung der Zeugnisse über den erfolgreichen Abschluss des Kurses. Der heutige Tag ist ein freudiges Ereignis nicht nur für Sie, sondern für die gesamte Diözese von Berlin und Deutschland. Er ist die gemeinsame Frucht Ihrer Mühen, der Fürsorge der Dozenten und des Segens Gottes, ohne den kein gutes Werk möglich ist.

Vor allem möchte ich dem Herrn dafür danken, dass Er jeden von Ihnen in Seine Kirche geführt, in Ihr Herz den Wunsch gelegt hat, den orthodoxen Glauben kennenzulernen, und Ihnen die Kraft geschenkt hat, den Weg des Studiums bis zum Ende zu gehen. In der heutigen Welt streben Menschen oft nach Anerkennung und eigener Ehre; der Christ aber weiß, dass alle Ehre Gott gehört. Daher ist das heutige Ereignis weniger ein Anlass, von unseren eigenen Leistungen zu sprechen, als vielmehr eine Möglichkeit, dem Herrn für Seine Barmherzigkeit und Hilfe zu danken.

In den Jahren des Studiums haben Sie Kenntnisse über die Grundlagen der orthodoxen Glaubenslehre erworben, sich mit der Heiligen Schrift, der Kirchengeschichte, dem Gottesdienst und der geistlichen Tradition der Orthodoxen Kirche vertraut gemacht. Dabei gilt es zu bedenken, dass die theologische Bildung nicht mit dem Erhalt eines Zeugnisses oder Diploms endet. Im Gegenteil: Der heutige Tag bezeichnet erst den Beginn einer neuen Etappe auf dem Weg des geistlichen Wachstums und einer tieferen Erkenntnis Gottes. Wir alle bleiben unser ganzes Leben lang Jünger Christi. Man kann eine theologische Schule, ein Seminar oder eine Akademie abschließen, man kann anderen theologische Fächer unterrichten, doch die Tiefe der göttlichen Wahrheit lässt sich niemals ausschöpfen. Der Herr Jesus Christus ist unser ewiger Lehrer, und deshalb hört das Lernen für den Christen niemals auf.

Besonders wichtig ist, dass die erworbenen Kenntnisse mit einem lebendigen kirchlichen Leben, mit dem Gebet, der Teilnahme an den Sakramenten und dem Streben nach der Erfüllung der Gebote Gottes verbunden werden. Ohne dies bleiben selbst umfangreiche Kenntnisse bloße Informationen, während die wahre Theologie aus der Begegnung des Menschen mit Gott und aus der Erfahrung des Lebens in Christus hervorgeht. Viele von Ihnen werden weiterhin in verschiedenen Bereichen des kirchlichen Dienstes tätig sein: Manche werden im Altar dienen oder auf dem Kleros helfen, andere werden sich der Katechese widmen oder sich in der Jugend-, Sozial- oder Bildungsarbeit engagieren; einige wird der Herr später vielleicht zum Dienst als Geistlicher berufen. Doch welches Werk Ihnen im Gehorsam auch anvertraut wird, wichtig ist zu bedenken: In der Kirche gibt es keine unbedeutenden Dienste. Vor Gott zählt nicht die äußere Bedeutung eines Dienstes, sondern die Treue des Menschen gegenüber dem Werk, das ihm anvertraut wurde.

Besondere Worte der Dankbarkeit möchte ich an die Dozenten unserer Theologischen Schule richten. Über drei Jahre hinweg haben sie den Studierenden nicht nur das notwendige Wissen vermittelt, sondern auch ihre kirchliche Erfahrung, ihre Zeit und ihre Kräfte mit ihnen geteilt. Durch ihren selbstlosen Einsatz wurden das Bestehen unserer Schule und der heutige Abschluss möglich. Von Herzen danke ich allen Dozenten und Organisatoren des Studienbetriebs für die auf sich genommenen Mühen und wünsche ihnen Gottes Hilfe in ihrem weiteren Dienst an der Kirche.

Es ist erfreulich zu sehen, dass viele der Absolventen erst im Erwachsenenalter zur Orthodoxie gekommen sind, nicht selten nachdem sie in einem anderen kulturellen oder religiösen Umfeld aufgewachsen waren. Der Herr hat Sie auf verschiedenen Wegen zu Sich geführt, und heute sind Sie Zeugen dessen geworden, wie Seine Vorsehung im menschlichen Leben wirkt. Besonders wichtig ist dies für unsere Diözese, die ihren Dienst auf deutschem Boden vollzieht, wo immer mehr Menschen ein aufrichtiges Interesse an der Orthodoxie zeigen und Antworten auf die wichtigsten Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Glauben und dem Heil suchen.

Allen Absolventen möchte ich wünschen, gute Zeugen Christi zu sein und die Orthodoxie nicht nur durch Worte zu bezeugen, sondern vor allem durch das eigene Leben, erfüllt von Liebe, Geduld, Demut und christlicher Verantwortung. Gerade ein solches Zeugnis öffnet am häufigsten die Herzen der Menschen für die Annahme des Evangeliums. Möge das heute erhaltene Zeugnis Sie nicht so sehr an ein abgeschlossenes Studium erinnern, sondern vielmehr an jene Verantwortung, die jeder orthodoxe Christ trägt: den Glauben zu bewahren, in ihm zu wachsen und ihn mit den Menschen in seiner Umgebung zu teilen. Gebetsvoll wünsche ich Ihnen allen Gottes Hilfe, Stärkung der geistlichen und leiblichen Kräfte, weitere Erfolge im Studium der orthodoxen Glaubenslehre und einen fruchtbaren Dienst an der Heiligen Kirche Christi. Möge der Herr Ihre Mühen segnen und durch sie der Heiligen Kirche jene hinzufügen, die das Heil und das ewige Leben suchen.

Ich rufe auf Sie alle den Segen Gottes herab.

+TICHON,
Erzbischof von Ruza,
Verwalter der Berliner und Deutschen Diözese