10 Mai 2026 - Am 5. Sonntag nach Ostern hielt Erzbischof Tichon von Ruza in der Auferstehungskathedrale in Berlin die Liturgie
Am 10. Mai 2026, am 5. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag der Samariterin, hielt der Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, Erzbischof Tichon von Ruza, die Göttliche Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin.
Am Vorabend leitete der leitende Bischof in der Kathedrale den Allnachtgottesdienst.
Seiner Eminenz konzelebrierten der Dekan des Ostbezirks Erzpriester Georgij Antonjuk, Erzpriester Ilja Tschirin, Erzdiakon Vitalij Sadakow, Erzdiakon Archil Tschchikwadze und Diakon Michail Koch.
In der inständigen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden gesprochen.
Nach dem Kommunionvers hielt Priester Maxim Yudakov eine Predigt zum Thema der sonntäglichen Evangeliumslesung:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Im heutigen Evangelium haben wir die Erzählung vom Gespräch Christi mit der Samariterin gehört. Es ist eine erstaunliche Begegnung, denn der Herr spricht mit einem Menschen, den die Gesellschaft als fremd und unwürdig betrachtete. Für die Juden waren die Samariter Menschen mit falschem Glauben, und diese Frau selbst führte ein schwieriges und sündiges Leben. Doch gerade zu ihr kommt Christus.
Der Herr beginnt mit einfachen Worten: „Gib mir zu trinken.“ Derjenige, der die ganze Welt erschaffen hat, bittet einen Menschen um Wasser. So zeigt Gott uns, dass er nicht kommt, um vorzeitig zu richten oder den Menschen zu erniedrigen, sondern um zu retten und zum Leben zurückzubringen. Die Samariterin denkt zunächst nur an einfaches Wasser. Doch Christus spricht zu ihr von einem anderen Wasser – vom lebendigen Wasser, von der Gnade Gottes, die den tiefsten Durst des menschlichen Herzens stillen kann. Denn der Mensch sucht sein Glück oft im Irdischen: in Geld, Vergnügungen, Beziehungen, Erfolg. Doch die Zeit vergeht – und wieder kehrt Leere ein. Denn die Seele des Menschen ist für Gott geschaffen, und nur Gott kann ihr wahren Frieden schenken.
Besonders wichtig ist, dass der Herr der Samariterin ihr Leben und ihre Sünden offenbart, dies jedoch ohne Grausamkeit und Verurteilung tut. Und genau deshalb wandelt sich ihr Herz. Sehr oft wendet sich der Mensch aus Angst vor Verurteilung von Gott ab. Doch das heutige Evangelium zeigt uns nicht einen Gott, der nach irdischem Verständnis gerecht ist – sondern einen Gott, der alles über uns weiß und uns dennoch liebt, der nicht bestraft, sondern vergibt.
Nach dieser Begegnung lässt die Samariterin ihren Wasserkrug stehen und eilt davon, um den Menschen von Christus zu erzählen. Was zuvor das Wichtigste war, wird nebensächlich. Denn die Begegnung mit Gott verändert den Menschen von innen heraus. Und jeder von uns ähnelt in gewisser Weise dieser Samariterin. Jeder hat seinen eigenen Durst, seine eigenen Wunden, seine eigenen Sünden und Enttäuschungen. Aber der Herr kommt auch zu uns ebenso geduldig und liebevoll. Er wartet darauf, dass der Mensch ihm sein Herz öffnet.
Lasst uns also Gott um dieses lebendige Wasser bitten – um Gnade, Glauben, Reinheit des Herzens und ein echtes geistliches Leben. Amen.“


