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20 März 2026 - Am Gedenktag der Ikone der Gottesmutter „Fürsprecherin der Sünder“ feierte Erzbischof Tichon die Liturgie der vorgeweihten Gaben in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am Gedenktag der Ikone der Gottesmutter „Fürsprecherin der Sünder“ feierte Erzbischof Tichon die Liturgie der vorgeweihten Gaben in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin

Am 20. März 2026, am Freitag der 4. Woche der Großen Fastenzeit, dem Festtag zu Ehren der Ikone der Gottesmutter „Fürsprecherin der Sünder“, feierte Erzbischof Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Liturgie der vorgeweihten Gaben in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin.

Seiner Hoheit konzelebrierten der Sekretär der Diözese und Domkustos, Erzpriester Michail Divakov, Priester Andrej Mololkin (Essen) und Erzdiakon Vitalij Sadakov.

Nach der Morgenandacht und der Lesung der fastenzeitlichen Stundengebete vollzog Erzbischof Tichon die Kreuzverehrung und betete vor dem Lebensspendenden Kreuz des Herrn, das auf einem Altartisch in der Mitte der Kirche lag; anschließend segnete er das Volk vom Ambo aus mit dem Kreuz und trug es in Begleitung des Protodiakons mit einer Kerze und einem Weihrauchgefäß in den heiligen Altarraum.

Nach Beendigung der Liturgie hielt der amtierende Bischof eine Seelenmesse für den kürzlich verstorbenen, seeligen Ilia II., Katholikos-Patriarch von ganz Georgien (+17.03.2026) und sprach den Gläubigen und dem gesamten orthodoxen georgischen Volk sein Beileid zum Tod des Oberhaupts der Georgischen Kirche aus.

Nach dem Gottesdienst wandte sich der Erzbischof mit einem ermahnenden Wort an die in der Kirche Versammelten:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das russische Land ist mit heiligen Ikonen der Allerheiligsten Gottesmutter geschmückt. Sie alle sind Zeugnisse ihrer gnadenreichen Hilfe, Quellen, die alles Notwendige zum Wohl von Leib und Seele spenden. Heute verehren wir eine der Ikonen der Gottesmutter, die den Namen „Fürsprecherin der Sünder“ trägt. Die Ikone ist nach der darauf befindlichen Inschrift benannt: „Ich bin die Fürsprecherin der Sünder bei meinem Sohn“. Eine erhaltene Beschreibung dieses Bildnisses besagt, dass die Ikone lange Zeit unbekannt blieb. Aufgrund ihres verwitterten Zustands wurde sie nicht verehrt und stand, bis sie in die Kathedrale überführt wurde, in einer alten Kapelle am Tor eines Klosters. Das Bild erlangte erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts und während der Choleraepidemie in der Provinz Orlow durch die von ihm gewirkten Wunder im Kloster Berühmtheit, da es viele Menschen wieder zum Leben erweckte.

Aus der Bezeichnung des Bildnisses „Hilfereiche der Sünder“ geht hervor, dass die Allerheiligste Gottesmutter die Fürsprecherin für alle ist, die „von Sünden und vielen Leiden belastet“ sind, die mit Glauben und Hoffnung zu ihr eilen, die das ewige Leben und die Erlösung erlangen wollen. Zahlreiche Beispiele aus dem Leben nicht nur der Heiligen, sondern auch der Sünder bestätigen dies. Das bekannteste Beispiel ist die Ehrwürdige Maria von Ägypten, die durch die Fürsprache der Gottesmutter aus den Tiefen der Sünde zu den Höhen der Tugend aufstieg.

Als sie jung, ungezügelt und von Leidenschaften getrieben war, wollte sie einmal das Kreuz des Herrn verehren. Doch als sie nach Jerusalem kam, konnte sie dies nicht tun: Eine unsichtbare Kraft ließ sie nicht in den Gotteshaus. Alle beteten an, nur sie konnte es nicht. Mehrmals versuchte sie es, doch vergeblich. Da erblickte sie das Bildnis der Gottesmutter an der Wand des Tempels. Wie ein Blitz durchzuckte ihr die Abscheulichkeit ihres bisherigen Lebens. Im Gebet gelobte sie, sich zu bessern. Danach hinderte sie niemand mehr daran, den Tempel zu betreten.
Sie verneigte sich vor dem Grab des Herrn, küsste sein Kreuz und begab sich auf Geheiß der Gottesmutter jenseits des Jordans, um ihr Gelübde zu erfüllen – ihr Leben zu bessern. In der rauen Wüste trauerte Maria über ihre Sünden und zügelte durch äußerste Enthaltsamkeit ihr Fleisch und ihre Leidenschaften. Die Zeit verging, und durch die Gnade Gottes stieg Maria zu Höhen der Heiligkeit und geistigen Vollkommenheit auf.

Wir durchlaufen die Zeit der Großen Fastenzeit. Die Heilige Kirche stärkt uns durch die Beispiele der reuigen Sünder und die Fürsprache der Gottesmutter, damit die Schwachen nicht verzagen. Jeden Mittwoch und Freitag stellt uns die Kirche vor das Lebensspendende Kreuz, damit wir begreifen, wie schrecklich und verderblich die Sünde ist, die den Herrn und Erlöser ans Kreuz gehoben hat. Die Tragödie der uns umgebenden Welt besteht darin, dass sie die Sünde nicht sieht und nicht sehen will; die Sünde wird nicht mehr als Verstoß gegen Gottes Gesetz wahrgenommen und wird zur Norm. Wir aber wissen, dass das Erkennen der eigenen Sünde und die Reue darüber der Anfang der Heiligkeit sind. Genau deshalb beten wir in den Tagen der Fastenzeit besonders das Gebet des Ehrwürdigen Ephrem des Syrers. Denn „die eigene Sünde zu erkennen“, so sagen die Heiligen Väter, „ist höher als die Engel Gottes zu sehen“.
Möge der Herr uns, Brüder und Schwestern, auf dem Weg des geistlichen Kampfes gegen die Sünde stärken. Niemand soll an seiner Erlösung verzweifeln, wenn er die Tiefe seiner Sünden und die verführerische Stimme hört: „Für dich gibt es keine Buße.“ Beantworten wir den unsichtbaren Feind mit den Worten des Herrn: „Weiche von mir, Satan, du bist mir eine Versuchung“ (Mt 16,23). Die Gottesmutter betet für alle, alle sind ihr lieb, sie wünscht allen das Heil. Sie „streckt ihre rettende Hand“ nach allen aus, die Buße tun und ihrer Hilfe und ihres Schutzes bedürfen. In einem Gesang hören wir die inspirierenden Worte der Gottesmutter selbst: „Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt, seid mutig, ihr orthodoxen Menschen.“ Sollen wir denn verzagen, wenn der Herr und seine allreine Mutter bei uns sind? Lasst uns auf die Fürsprache der Gottesmutter für uns antworten, indem wir unsere Sünden bekennen und unser Leben nach den Geboten Gottes in Ordnung bringen. Amen.“