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08 Oktober 2026 - Jubiläum der Kirche, Patronatsfest und Priesterweihe in Karlshorst

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Jubiläum der Kirche, Patronatsfest und Priesterweihe in Karlshorst

Am 8. Oktober 2026, dem Tag des Heimgangs des Ehrwürdigen Sergius, Abt von Radonesch, des Wundertäters (1392), fanden in Karlshorst-Berlin Feierlichkeiten anlässlich des Patronatsfestes und des 75. Jahrestags der Weihe der Kreuzkirche im Namen des Ehrwürdigen Sergius bei der Diözesansitz in Karlshorst (Berlin) statt.

Am Vortag, dem 7. Oktober, verlas der amtierende Bischof gemeinsam mit dem Klerus den Akathistos an den Ehrwürdigen Sergius und leitete die Allnachtwache.

Seiner Eminenz konzelebrierten der Dekan des Ostbezirks Erzpriester Georg Antonjuk, Erzpriester Alexej Rybakov (Mönchengladbach), Priester Oleg Beltek, Erzdiakon Vitali Sadakov, Erzdiakon Archil Tschikvadze, Diakon Rostislav Ustimenko und Diakon Sergius Ivanov (Münchengladbach).

Während der inbrünstigen Ektenie wurden Bitten und Gebete für den Frieden vorgebracht. Die Teilnehmer des Gottesdienstes sprachen zudem ein Gebet für die ewige Ruhe der verstorbenen Hierarchen, die zu verschiedenen Zeiten die Diözese geleitet hatten, sowie der Geistlichen und Laien, die in der Kirche gedient und gewirkt hatten.

Nach dem Großen Einzug vollzog Erzbischof Tichon die Weihe des Diakons Sergij Ivanov zum Priester.

Nach dem Kommunionvers hielt Priester Oleg Beltek eine Predigt:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute verherrlicht die Kirche unseren ehrwürdigen und gottesfürchtigen Vater Sergius, den Abt von Radonesch und Wundertäter ganz Russlands. Für unsere Kirche ist dieser Tag von besonderer Freude erfüllt; wir feiern das Patronatsfest und danken zugleich Gott für die fünfundsiebzig Jahre des Bestehens der Sergius-Gemeinde hier in Berlin. Der Herr sagt im Evangelium: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11,29). Diese Worte Christi erhellen gleichsam wie ein Licht das Leben des Ehrwürdigen Sergius. Er lernte Sanftmut vom Sanftmütigen, Demut vom Demütigen und wurde dadurch selbst für viele zu einer Quelle des Friedens.

Der Ehrwürdige lebte im 14. Jahrhundert, in einer schweren und unruhigen Zeit. Das russische Land war zersplittert, die Fürstentümer lagen im Streit miteinander, das Volk trug die Last der Fremdherrschaft. Und inmitten dieses Aufruhrs offenbart die Vorsehung Gottes einen demütigen Menschen. Der junge Bartholomäus zieht sich in die Wälder von Radonesch zurück. Inmitten der Waldwüste errichtet er eine kleine Kirche im Namen der Heiligen, Lebensspendenden Dreifaltigkeit und beginnt ein Leben des Gebets und der Arbeit. Der Ort war klein, doch die Frucht erwies sich als groß. Nach und nach versammeln sich Menschen um den Ehrwürdigen. Es entsteht eine Bruderschaft, dann ein Kloster. Zu Sergius kommen Mönche und Laien, einfache Menschen und Fürsten. Seine Schüler ziehen in alle Teile des russischen Landes und gründen neue Klöster. Sein Wort dient der Versöhnung und der Einheit. Sein Segen stärkt den heiligen, gläubigen Fürsten Dimitri Donski.

Und hier offenbart sich das Geheimnis, das uns die Kirche immer wieder im Leben ihrer Heiligen vor Augen führt: Es besteht darin, dass die Gnade Gottes, wenn sie in das menschliche Herz Einzug hält, den Raum um den Menschen herum verwandelt. Der Ehrwürdige erlangte den Frieden Christi – und dieser Friede breitete sich um ihn herum aus. Er erlangte die Einheit mit Gott – und um ihn herum begannen sich die Menschen zu vereinen. Er liebte die Heilige Dreifaltigkeit – und sein Leben selbst wurde zum Dienst an der Einheit. Deshalb nimmt der Ehrwürdige Sergius einen ganz besonderen Platz in der Geschichte Russlands ein. Man nennt ihn den Abt des russischen Landes. Seit mehr als sechs Jahrhunderten kommen Menschen zu seinen Reliquien in die Sergius-Trinitäts-Lawra, bringen ihre Sorgen und ihren Dank dar und bitten um Gebetshilfe. Unter uns sind Menschen, die in der Lawra studiert haben, dort gelebt haben, als Pilger gekommen sind und am Schrein des Ehrwürdigen gebetet haben. Manche erinnern sich an die frühen Gottesdienste in der Lawra, an die Dreifaltigkeitskathedrale und an das Glockengeläut. Und auch heute hier in Berlin führt sie die Erinnerung ihres Herzens erneut dorthin.

Doch Heiligkeit hat eine universelle Dimension. Ein Heiliger, der in der Geschichte seines Volkes verwurzelt ist, gehört der gesamten Kirche Christi an. Die Gnade Gottes kennt keine Entfernungen und keine Grenzen. Deshalb bleibt der Ehrwürdige Sergius auch hier, weit entfernt von Radonesch und von der Lawra, uns nahe. Das wissen wir aus der Erfahrung des kirchlichen Lebens. Die Menschen wenden sich an ihn in ihrer Trauer, in den Schwierigkeiten des Lernens und der Arbeit, in familiären Angelegenheiten, in Momenten, in denen eine wichtige Entscheidung getroffen werden muss. Und die Hilfe des Ehrwürdigen kommt auf wundersame Weise. Manchmal ebnet er den Weg, manchmal kommt der richtige Mensch, manchmal findet das Herz Frieden und Klarheit. Der Heilige ist dort nah, wo man ihn im Glauben anruft.

Wie bezeichnend, liebe Brüder und Schwestern, dass der Name des Ehrwürdigen Sergius bereits seit fünfundsiebzig Jahren hier in Berlin präsent ist. Im Jahr 1951 wurde hier in Karlshorst eine kleine Kirche errichtet. Dann wurde die Stadt durch eine Mauer geteilt, und die Sergius-Kirche diente viele Jahre lang den orthodoxen Gläubigen in Ostberlin. Generationen von Menschen haben ihre Schwelle überschritten. Zeiten und Umstände änderten sich, doch hier wurde die Göttliche Liturgie gefeiert, das Evangelium gelesen und für die Lebenden und Verstorbenen gebetet. Heute beten hier Menschen verschiedener Generationen und verschiedener Völker. Und darin liegt etwas, das tief mit dem Ehrwürdigen Sergius selbst im Einklang steht. Denn das Herzstück seines Klosters ist die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist das Geheimnis vollkommener Einheit und vollkommener Liebe. Und der Ehrwürdige Sergius hat dieses Geheimnis sein ganzes Leben lang betrachtet. Es ist kein Zufall, dass die alte Überlieferung unserer Kirche mit seinem Namen den Aufruf zur Einheit verbindet, „damit durch den Blick auf die Heilige Dreifaltigkeit die Furcht vor der verhassten Spaltung dieser Welt überwunden werde“.

Der Ehrwürdige Sergius ist Russland lieb und gleichzeitig der gesamten christlichen Welt nahe. Sein Dienst richtet sich auf die tiefe Not des Menschen, auf die Sehnsucht nach Frieden und Einheit und auf den Wunsch, im anderen Menschen das Ebenbild Gottes zu erkennen. Heute danken wir dem Herrn auch für die fünfundsiebzig Jahre unseres Kirchenhauses. Fünfundsiebzig Jahre – das sind viele Menschenleben und Gebete. Hier haben Priester gedient, Chorsänger gesungen, Lektoren gelesen, Gemeindemitglieder gearbeitet, deren wir heute gemeinsam mit euch gedacht haben. Hier wurden Kinder getauft, Ehepaare getraut und Menschen in die Ewigkeit begleitet. Hier wurde die Beichte abgelegt und die Heiligen Sakramente Christi empfangen. Viele von denen, die diese Gemeinde aufgebaut haben, stehen bereits vor Gott, und heute ist ihre Arbeit uns anvertraut.

Der Heilige Filaret von Moskau sprach einst in der Sergius-Trinitäts-Lawra erstaunliche Worte, die, als ob sie vom Ehrwürdigen selbst an seine Verehrer gerichtet wären, lauteten: „Es genügt auch uns, Brüder, diese unaufhörliche Belehrung, die dieses stille Grab vermittelt. Kann man diese Belehrung nicht hören? Kann man sie, wenn man sie hört, nicht verstehen? ‚Schaut‘, spricht unser entschlafener Lehrer selbst, ‚schaut auf das Ende meines Lebens‘, das ich seit so vielen Jahrhunderten vor den Augen meiner Schüler und aller, die der Unterweisung bedürfen, darstelle. Ihr alle erkennt an, dass das Ende meines Lebens gesegnet und selig ist; ich höre in meinem Gott, wie ihr es preist; ich sehe, wie ihr herbeiströmt, um es zu feiern. Preist ihr mein Ableben etwa um meinetwillen? Eure Lobpreisungen werden meine Glückseligkeit in meinem Gott nicht vergrößern. Doch wenn ihr mein Ableben preist, dann preist auch das Leben, das mich zu diesem Ableben geführt hat, und preist es um eurer eigenen Glückseligkeit willen.“ Darin besteht die wahre Verehrung des Heiligen. Wenn wir auf den Ehrwürdigen Sergius blicken, lernen wir von seinem Glauben, lernen wir, unser Herz vor Gott zu bewahren, lernen wir das Gebet, lernen wir, einander zu dienen und die Einheit der Kirche zu bewahren, lernen wir, den Frieden um uns herum zu schaffen durch den Frieden, der in der Seele aus der Gegenwart Christi entsteht.

Deshalb wird das Jubiläum der Kirche für uns zu einem Dank und zu einer Berufung. Wir nehmen von den früheren Generationen eine Heiligtum entgegen, das durch ihre Gebete geheiligt wurde, und sind dazu berufen, es weiterzugeben – an unsere Kinder und an diejenigen, die nach uns kommen werden. Damit auch in vielen Jahren noch hier die Göttliche Liturgie gefeiert und der Name der Heiligen Dreifaltigkeit angerufen wird, damit Menschen hierherkommen und den Weg zu Christus finden und der Ehrwürdige Sergius auch weiterhin hier Menschen um den Herrn versammelt. Doch heute, weit entfernt von seiner irdischen Wohnstätte, stehen wir geistlich an der Seite des Ehrwürdigen. Wenden wir uns daher in Liebe an unseren himmlischen Schutzpatron: Ehrwürdiger und gottesfürchtiger Vater Sergius! Segne diese Kirche und alle, die sie betreten, mit deinem Gebet. Bewahre unsere Gemeinde in Frieden und Einigkeit. Segne unsere Kinder und die kommenden Generationen. Schenke uns den Geist der Sanftmut, der Demut und der Nächstenliebe. Und hilf uns, die wir inmitten vieler irdischer Spaltungen leben, jene Einheit zu bewahren, zu der Christus uns berufen hat: die Einheit des Glaubens, die Einheit der Liebe, die Einheit des Lebens in Gott. Amen.“

Nach Abschluss der Liturgie wurde eine Lobpreisung des Ehrwürdigen Sergius vollzogen, ein Gebet verlesen und anlässlich des Patronatsfestes das „Auf viele Jahre“ ausgerufen.

Erzbischof Tichon wandte sich mit einer bischöflichen Predigt an die Gemeindemitglieder, an deren Ende er dem zum Priester geweihten Geistlichen seine Segensworte mit auf den Weg gab und die Leiterin der Kanzlei der Diözese, Nonne Sergia (Kljueva), zu ihrem Namenstag beglückwünschte und den eifrigen Helfern der Kirche bischöfliche Urkunden überreichte. Im Namen der Geistlichen und Gemeindemitglieder der Kirche wurden den Gemeindemitglieder, welche Namenstag feierten, und den Ausgezeichneten Blumensträuße überreicht.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten wurde allen Teilnehmern im Kirchhof ein Mahl angeboten.