12 Juli 2026 - Am 6. Sonntag nach Pfingsten feierte Erzbischof Tichon von Rusa die Göttliche Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin
Am 12. Juli 2026, dem 6. Sonntag nach Pfingsten, dem Gedenktag der obersten Apostel Petrus und Paulus, feierte Erzbischof Tichon von Rusa, Leiter der Diözese Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin.
Am Vorabend hatte leitete der Erzbischof in der Kathedrale die Allnächtliche Vigil.
Während der Liturgie konzelebrierten der Diözesanekretär und Dompropst Erzpriester Michail Diwakow, Erzpriester Ilija Tschirin, Erzdiakon Vitalij Sadakow und Erzdiakon Archil Tschchikwadze.
Den Gesang bei der Liturgie gestaltete der Chor unter der Leitung der Regentin Natalja Dumler.
Nach der inbrüstigen Ektenie wurde ein Friedensgebet gesprochen.
Nach dem Kommunionsvers hielt Erzpriester Ilija Tschirin eine Predigt:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Heute feiern wir den Gedenktag der heiligen, ruhmreichen und allgepriesenen Apostel Petrus und Paulus. Die Kirche nennt diese beiden Apostel die obersten und hat für sie einen besonderen Festtag eingesetzt, dem ein mehrtägiges Fasten vorausgeht. Dies deshalb, weil die Apostel Petrus und Paulus den größten Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums von Christus, dem Retter der Welt, geleistet haben, unermessliche Mühen auf sich nahmen und unvorstellbare Leiden erduldeten. Sie waren die stärksten Prediger, die durch ihre Weisheit und ihren Eifer für Gott die Menschen zu Christus führten. Auf ihre Fürbitten hin wurden Schwerkranke geheilt und sogar Tote auferweckt.
Diese beiden Apostel waren völlig unterschiedliche Menschen. Der Apostel Petrus, der vor seiner Begegnung mit Christus Simon hieß, war ein einfacher Fischer, arm und fast ohne Bildung. Aber in seiner Seele lebte ein glühender Glaube und die Gottesfurcht, die es ihm ermöglichten, auf das erste Wort des Erlösers hin alles zurückzulassen: sein Haus, sein Handwerk, seinen Besitz, sogar seine Familie und Christus nachzufolgen. Ein ganz anderer Mensch war der Apostel Paulus, der vor seiner Bekehrung den Namen Saulus trug. Er entstammte einer vornehmen Familie, besaß das ehrenvolle römische Bürgerrecht, eine hervorragende Bildung und war ein strengster Befolger des jüdischen Gesetzes ein Pharisäer. Er war mit Vollmachten ausgestattet, Christen zu verfolgen und sie zur Hinrichtung zu übergeben. Doch all dies tat er aus glühendem Eifer für Gott, und deshalb, als der Herr Jesus Christus ihm selbst auf dem Weg nach Damaskus erschien, trat Saulus mit demselben Eifer für die Verteidigung der Kirche und die Verkündigung des Christentums ein. Trotz dieser Unterschiede waren beide die Hauptverkünder der Auferstehung Christi auf Erden. Der Apostel Petrus predigte unter den Juden und verfasste zwei Briefe. Der Apostel Paulus aber verkündete das Evangelium an verschiedenen Orten der antiken Welt und schrieb 13 Briefe, die den größten Teil der Neutestamentlichen Schriften ausmachen und die Grundlage der Glaubenslehre der Orthodoxen Kirche bilden.
In der Stichira des Festes heißt es: ‚Du hast der Kirche Deine Bestätigung gegeben, Herr, durch die Festigkeit des Petrus und den Verstand des Paulus. Die Festigkeit des Petrus das ist der Mut im Bekenntnis des Glaubens und in den Leiden. Der Name Petrus, den der Herr verlieh, bedeutet Stein, weil Petrus seinen Lehrer als Sohn Gottes bekannte (Mt 16,16). Auf diesen Felsen dieses Bekenntnisses, dieses orthodoxen Glaubens an den Herrn, erbaute Christus Seine Kirche. Der Verstand des Paulus das ist jene außergewöhnliche Weisheit, die seit zweitausend Jahren die Herzen der Menschen zu Gott hinzieht. In seinen Briefen legt der Apostel Paulus den christlichen Weg zur Rettung sehr klar und folgerichtig dar. Vor allem sagt er, was für uns verderblich ist. Das ist die Sünde. Die Sünde behindert uns auf dem Weg zu Gott. Das alttestamentliche Gesetz ist in den zehn Geboten des Mose ausgedrückt. Jedoch enthüllen diese Gebote und das ganze Alte Testament zwar die Sünde, befreien aber nicht von ihr. Der Apostel Paulus sagt, dass nur die Gnade von der Sünde befreien kann, die der in die Welt gekommene Sohn Gottes gebracht hat. Diese rettende Gnade wird uns durch Seine Kirche und ihre heiligen Mysterien gespendet. Der Apostel Paulus offenbart uns dies in seinen Briefen und ruft uns auf an der kirchlichen Gnade, ihren Sakramenten und ihrer Priesterschaft festzuhalten.
Das heutige Fest lehrt uns eine wichtige Wahrheit. Der Herr sieht nicht auf die Herkunft eines Menschen, seine Bildung, seine Stellung in der Gesellschaft oder sein früheres Leben. Petrus war ein einfacher Fischer, Paulus ein gelehrter Pharisäer und Verfolger der Kirche. Aber beide, indem sie auf den Ruf Gottes antworteten, wurden große Apostel, weil sie sich ganz Christus hingaben. Das bedeutet, dass auch jeder von uns Gott näherkommen kann, wenn er den festen Glauben des Apostels Petrus und den Eifer, die Weisheit und die Liebe zu Christus des Apostels Paulus hat. Und gleichzeitig ist es sehr wichtig, sich daran zu erinnern, dass weder der Glaube des Apostels Petrus noch die Weisheit des Apostels Paulus nur die Frucht menschlicher Fähigkeiten waren. Petrus wurde nicht deshalb ein fester Bekenner Christi, weil er stärker war als andere, sondern weil er selbst vom Herrn gestärkt wurde. Paulus wurde nicht deshalb ein großer Lehrer des Universums, weil er alle durch seine Bildung übertraf, sondern weil die Gnade Gottes sein Herz verwandelte. Der Apostel Paulus selbst sagt: ‚Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin‘ (1 Kor 15,10). Daher sollte unsere Hoffnung nicht auf unsere eigenen Kräfte gerichtet sein, sondern auf die Hilfe Gottes, die in der Kirche Christi niemals versiegt.
Wir sehen oft unsere Schwächen, unsere Stürze, unsere Sünden und denken, dass sie ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zu Gott werden. Aber das Beispiel der obersten Apostel überzeugt uns vom Gegenteil. Der Herr ist imstande, jeden Menschen zu verwandeln, wenn der Mensch nur mit Glauben und Reue auf Seinen Ruf antwortet. Und heute ist dieselbe Gnade, die Petrus stärkte und Paulus verwandelte, in der Kirche Christi gegenwärtig, wird uns in ihren heiligen Sakramenten gespendet und führt uns zur Rettung. Lasst uns dieses große Geschenk wertschätzen. Lasst uns die Einheit mit der Heiligen Kirche bewahren, mit Ehrfurcht an ihren rettenden Sakramenten teilnehmen, auf das Wort Gottes hören und uns bemühen, es in unserem Leben zu erfüllen. Dann wird der Herr durch die Fürbitten der heiligen obersten Apostel Petrus und Paulus auch uns im Glauben stärken, uns Festigkeit im Bekenntnis der Wahrheit lehren, uns vor Versuchungen bewahren und uns würdig machen, Erben jenes Reiches zu sein, das Er denen bereitet hat, die Ihn lieben. Amen.“
Nach Abschluss der Göttlichen Liturgie wurde die Verherrlichung gesungen, Erzbischof Tichon las das Gebet zu den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und wandte sich dann mit einer Predigt an die Teilnehmer des Gottesdienstes.


