25 Juli 2026 - Die Gemeinde des heiligen Märtyrers Hilarion, Erzbischof von Vereya, in Leer (Ostfriesland) feierte ihr 20-jähriges Bestehen
Am 24. Juli 2026, am Gedenktag der Auffindung der Reliquien des Märtyrer-Priesters Hilarion, Erzbischof von Vereja, zelebrierte Erzbischof Tichon von Rusa, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Kirche des heiligen Märtyrers Hilarion, Erzbischof von Vereja, in Leer (Niedersachsen, Region Ostfriesland) anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gemeinde.
Seiner Eminenz konzelebrierten der Dekan des Bezirks Hamburg Erzpriester Sergij Baburin, der amtierende Pfarrer der Gemeinde Mönchspriester Seraphim (Stanhardt), Erzpriester Oleg Nikiforow (Kloppenburg, Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland), Priester Andrej Gladyschew (Nienburg), Diakon Nikolai Kulakow (Kloppenburg, Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland), Diakon Michail Koch und Diakon Konstantin Lotichius.
Der Gottesdienst wurde in kirchenslawischer und deutscher Sprache abgehalten.
Nach der inbrünstigen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden gesprochen.
Nach dem Schlusssegen der Liturgie wurde den gefeierten Heiligen die Lobpreisung dargebracht und Gebete verlesen. Der Diakon verkündete anlässlich des Festes das „Auf viele Jahre“.
Erzbischof Tichon richtete ein bischöfliche Predigt an die Anwesenden, gratulierte anschließend allen zum Jubiläum der Gemeinde und sprach dem Mönchspriester Seraphim (Standhart) seinen Dank für eifrigen Einsatz und die seelsorgerische Betreuung der Gemeinde aus.
In seiner Antwortrede dankte der Mönchspriester Seraphim dem Erzbischof und berichtete über die Entstehungsgeschichte der Gemeinde:
„Eure Hochheiligkeit, lieber Herr Bischof, ehrwürdige Väter, liebe Brüder und Schwestern! ‚Wenn der Herr das Haus nicht baut, mühen sich die Bauleute vergeblich‘ (Psalm 126,1). Wenn wir heute das 20-jährige Jubiläum unserer Gemeinde feiern, ist es unmöglich, nicht in Gedanken zum allerersten Anfang zurückzukehren.
Am 14. Januar 2006 wurde in der lutherischen Kirche der Stadt Leer die erste Göttliche Liturgie der orthodoxen Gemeinde gefeiert. Damals versammelten sich 78 Menschen zum Gottesdienst. Es waren Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Lebenswegen, die aus verschiedenen Orten angereist waren, aber durch ein gemeinsames tiefes Verlangen vereint waren – eine eigene orthodoxe Kirche zu haben, eine eigene geistliche Familie, einen Ort, an dem ihre Kinder getauft und junge Paare getraut werden und an dem unablässig die Göttliche Liturgie gefeiert wird. Wahrscheinlich konnte sich keiner der damals Anwesenden vorstellen, wie dieser Tag zwanzig Jahre später aussehen würde. Doch alle gingen nach der ersten Liturgie mit einer gemeinsamen Hoffnung und einem gemeinsamen Gebet: „Herr, schenke uns Deine Kirche, schenke uns unser Gotteshaus.“
Und heute können wir sagen: Der Herr hat dieses Gebet erhört. Ehre sei Gott für alles!
Die Geschichte unserer Gemeinde ist nicht nur eine Geschichte menschlicher Arbeit. Sie ist vor allem eine Geschichte der göttlichen Gnade. Hätte der Herr dieses Werk nicht gesegnet, hätte der Heilige Hilarion von Vereja unsere Gemeinde nicht mit seinen Gebeten beschützt, hätte keine menschliche Kraft das schaffen können, was wir heute sehen. Deshalb ist der heutige Festtag ein Fest der Dankbarkeit gegenüber Gott. Es ist kein Zufall, dass der Heilige Hilarion von Vereja – ein großer Bekenner der Kirche des 20. Jahrhunderts – unser himmlischer Schutzpatron geworden ist. Er sagte: „Die Kirche ist das Leben in Christus.“ Diese Worte sind für jeden von uns besonders verständlich. Denn gerade das Leben in Christus hat uns zunächst in einer gemieteten Kirche versammelt und uns dann hierher geführt, in unser eigenes Haus Gottes.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein unserer Geschichte war der Dezember 2007. Der Herr gab uns die Möglichkeit, dieses Gebäude zu erwerben. Damals war es eine gewöhnliche Tanzschule. Wer hätte sich vorstellen können, dass hier einmal die Göttliche Liturgie gefeiert werden würde? Doch der Herr versteht es, nicht nur die Herzen der Menschen zu verwandeln – Er verwandelt auch die Orte selbst. Was einst weltlichen Beschäftigungen diente, wurde zu einem Ort des Himmels auf Erden. Hier entstand ein heiliger Altar. Hier erklang das Evangelium. Hier wurden Gebete für die Lebenden und die Verstorbenen dargebracht. Hier fanden Hunderte von Menschen Trost, Hoffnung und den Weg zu Christus.
Natürlich geschah dies nicht von selbst. Es wurde dank der aufopferungsvollen Arbeit der Gemeindemitglieder möglich. Jeder trug bei, was er konnte. Manche spendeten Geld. Manche arbeiteten abends und an den Wochenenden. Manche strichen die Wände, verlegten Fußböden, errichteten die Ikonostase und schmückten die Kirche. Manche sangen im Chor, unterrichteten die Kinder, bereiteten Mahlzeiten zu, reinigten die Räumlichkeiten und beteten.
Heute ist es unmöglich, alle namentlich zu nennen. Aber der Herr kennt jeden einzelnen. Und das heutige Fest ist ein Fest all jener, die mit ihrer Liebe nicht nur Mauern, sondern eine Gemeindefamilie aufgebaut haben.
Ein besonderer Tag war der 22. Oktober 2016, als die feierliche Einweihung unserer Kirche stattfand. Sicherlich erinnerten sich damals viele an jenen Tag im Januar 2006, als achtundsiebzig Menschen in der lutherischen Kirche beteten und darauf hofften, eines Tages eine eigene Kirche zu haben. Zehn Jahre sind vergangen – und diese Hoffnung ist Wirklichkeit geworden.
In diesen zwanzig Jahren hat der Herr nicht nur eine Kirche aus Stein erbaut. Das größte Wunder ist, dass er eine Gemeinde geschaffen hat. Er hat uns zu einer Familie in Christus gemacht. Denn Mauern lassen sich in wenigen Jahren errichten, doch eine echte Kirchengemeinde schafft der Herr über Jahre hinweg – durch gemeinsames Gebet, gemeinsame Arbeit, Prüfungen und Freuden. Und genau für dieses Wunder danken wir Gott heute am meisten. Deshalb sagen wir heute vor allem: Ehre sei Gott für alles!
Wir danken Ihrer Hochwürden, lieber Herr Bischof, von ganzem Herzen für Ihre bischöfliche Fürsorge, Ihre Gebete, Ihre Liebe und Ihre beständige Unterstützung unserer Gemeinde. Es ist für uns eine große Freude, uns als Teil der einen Kirche unter Ihrem heiligen Omophorion zu fühlen. Mit Dankbarkeit gedenken wir des Erzbischofs von Mukatschewe, Theodor, der viele Jahre lang den Aufbau unserer Gemeinde durch seine Aufmerksamkeit, sein Engagement und seine väterliche Fürsorge unterstützt hat.
Besonderen Dank sprechen wir dem Pokrowski-Kloster in Kiew aus. Seine Gebete und seine geistliche Unterstützung haben unsere Gemeinde in den unterschiedlichsten Jahren begleitet und uns auf dem Weg zum Aufbau des kirchlichen Lebens gestärkt.
Wir danken dem Heiligen Hilarion von Vereja, unserem himmlischen Schutzpatron. Wir glauben, dass der Herr durch seine Gebete die Gemeinde all die Jahre bewahrt, uns geholfen hat, Schwierigkeiten zu überwinden, die Einheit zu bewahren und geistlich zu wachsen. Zwanzig Jahre sind erst der Anfang. Einst begann alles mit achtundsiebzig Menschen, die sich mit einem gemeinsamen Traum zur ersten Liturgie versammelt hatten. Heute hat uns der Herr eine Kirche, eine Gemeinde und eine reiche Geschichte geschenkt. Das bedeutet, dass Er noch mehr von uns erwartet – dass auch die kommenden Generationen hier den Weg zu Christus finden, dass diese Kirche stets von Gebeten, Kinderstimmen, Liebe und lebendigem Glauben erfüllt sein möge.
Möge der Herr durch die Fürbitten des Heiligen Hilarion unsere Gemeinde noch viele Jahrzehnte lang bewahren, jeden von uns stärken und uns helfen, würdige Fortführer jenes Werkes zu sein, das Er selbst vor zwanzig Jahren begonnen hat. Und für alles, was der Herr unter uns vollbracht hat und noch vollbringen wird, wollen wir immer wieder dankbar mit den Worten des Heiligen Johannes Chrysostomos ausrufen: Ehre sei Gott für alles!
Eure Hochheiligkeit, lieber Bischof! Wir bitten um Eure heilige Fürbitte, damit auch die nächsten zwanzig Jahre der Geschichte unserer Gemeinde eine Geschichte der Treue zu Christus, der Liebe zueinander und des Dienstes an der Heiligen Kirche sein mögen. Möge der Herr uns alle durch die Gebete des Heiligen Hilarion von Vereja für viele und glückliche Jahre bewahren! Amen.“
Nach dem Gottesdienst wurde allen Teilnehmern der Feier ein festliches Mahl angeboten und ein Dokumentarfilm über die Entstehungsgeschichte der Gemeinde und ihre Gemeindemitglieder gezeigt.


