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24 Mai 2026 - Am 7. Sonntag nach Ostern hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der St.-Prokop-Gemeinde in Konstanz

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am 7. Sonntag nach Ostern hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der St.-Prokop-Gemeinde in Konstanz

Am 24. Mai 2026, dem 7. Sonntag nach Ostern, dem Nachfest der Himmelfahrt des Herrn, dem Gedenktag der Heiligen Apostelgleichen Methodius und Cyrill, der Lehrer der Slawen, feierte Erzbischof Tichon von Ruza, der Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der St.-Prokop-Gemeinde in Konstanz (Baden-Württemberg).

Seiner Eminenz konzelebrierten der Pfarrer der Gemeinde Priester Konstantin Schmidt, Erzdiakon Archil Chkhikvadze, Diakon Michael Koch und Diakon Konstantin Lotichius.

Der Gottesdienst wurde in kirchenslawischer und deutscher Sprache abgehalten.

Nach der inbrünstigen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden gesprochen.

Nach dem Kommunionvers hielt der Pfarrer der Kirche, Priester Konstantin Schmidt, eine Predigt:

„Liebe Brüder und Schwestern!

Heute verherrlicht die Kirche die heiligen apostelgleichen Brüder Kyrill und Methodius, die Lehrer der Slawen. Für uns ist dies nicht nur das Gedenken an zwei große Verkünder des 9. Jahrhunderts. Es ist die Erinnerung daran, wie Gott durch das Wort, durch die Kultur, durch menschliche Arbeit und Treue in die Geschichte der Völker eintritt.

Die heiligen Brüder wurden in der Stadt Thessaloniki geboren, wo Griechen und Slawen nebeneinander lebten. Von Kindheit an hörten sie die slawische Sprache und lernten, nicht nur die Sprache, sondern auch die Seele der Slawen zu verstehen. Und als die Kirche sie zum Verkünden des Evangeliums berief, verlangten sie von den Slawen nicht, dass diese zuerst Griechen oder Lateiner werden sollten, sondern verkündeten das Evangelium in einer den Menschen verständlichen Sprache. Und das war wahrhaftig eine apostolische Heldentat.

Der heilige Kyrill schuf das slawische Alphabet, und gemeinsam mit seinem Bruder Methodius übersetzten sie die Heilige Schrift und die Gottesdienste in eine Sprache, die wir heute als Altslawisch, Altbulgarisch oder, im kirchlichen Sprachgebrauch, als Kirchenslawisch bezeichnen und bis heute verwenden! Sie haben gezeigt, dass jedes Volk Gott in seiner eigenen Sprache preisen kann. Nicht nur drei Sprachen – Hebräisch, Griechisch und Latein – sind des Gebets würdig. Jedes menschliche Herz ist fähig, die Frohe Botschaft anzunehmen, und jede Sprache wird durch die Wahrheit des Evangeliums geheiligt.

Und darin liegt für uns, die wir in Deutschland leben, eine besondere Stärkung unseres Geistes. Nicht selten fühlt sich ein Mensch, der sich in der Fremde befindet, in einer anderen Sprachumgebung als Fremder. Doch das Wirken der apostelgleichen Kyrill und Methodius sagt uns: Auch in anderen Sprachen kommt Christus zum Menschen nicht als zu einem Teil einer gesichtslosen Masse, sondern als zu einer Persönlichkeit — mit ihrer eigenen Sprache, ihrer eigenen Erinnerung und ihrer eigenen Kultur.

Das Schicksal des heiligen Methodius war eng mit den deutschen Ländern verbunden. Nach dem Tod Kyrills setzte der heilige Methodius die Mission unter den Slawen in Großmähren fort. Doch seine Tätigkeit rief den Widerstand des deutschen Klerus hervor, der der Ansicht war, dass der Gottesdienst nur in lateinischer Sprache gefeiert werden dürfe und die slawische Sprache als barbarisch betrachtete. Wegen seiner Predigt und der Feier der Gottesdienste in slawischer Sprache wurde Methodius gefangen genommen, verurteilt und hier bei uns auf der Insel Reichenau im Bodensee im Kloster gefangen gehalten (870–873).

Denken wir nur einmal darüber nach: Der heilige Missionar der Slawen litt genau hier, ganz in unserer Nähe – auf der Insel, die viele von uns so oft besuchen. Hier, auf der Reichenau, ganz in unserer Nähe, litt der Mann, dem die slawischen Völker die Schrift und den Gottesdienst in ihrer Muttersprache verdanken.

Die Insel Reichenau – heute ein ruhiger und schöner Ort, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört – bewahrt nicht nur die Erinnerung an die deutsche Klosterkultur, sondern auch an die Leiden eines orthodoxen Predigers, der das Recht des Volkes verteidigte, in seiner Muttersprache zu beten.

Für die Einwohner von Konstanz dürfte diese Geschichte besonders nah sein. Wir leben an jenem See, an dem der heilige Methodius Demütigung, Einsamkeit und Ungerechtigkeit erdulden musste. Doch was erstaunlich ist: Nach seiner Inhaftierung wurde er nicht verbittert. Er suchte keine Rache. Er gab auch seine Berufung als Verkünder und Apostel der Slawen nicht auf. Auf Beschluss des neuen Papstes Johannes VIII. (Papst seit 872) freigelassen, kehrte er wieder zur Predigt unter den Slawen zurück und setzte die Übersetzung der Heiligen Schrift fort.

Darin liegt die große Kraft des Christentums. Nicht verbittert auf den Feind zu reagieren, sondern der evangelischen Wahrheit und Liebe treu zu bleiben.

Heute erlebt Europa erneut eine Zeit innerer Spaltungen: sprachlicher, kultureller und politischer Art. Den Menschen wird wieder gesagt, sie müssten einander fürchten, und so verschließen sie sich wieder in ihren eigenen Welten. Deshalb sind die Heiligen Kyrill und Methodius besonders aktuell. Sie erinnern uns daran, dass das Christentum Kulturen nicht zerstört, sondern verwandelt; dass es Völker nicht trennt, sondern verbindet.

Die heiligen Brüder wurden zu einer Brücke zwischen Ost und West, zwischen Byzanz und Europa, zwischen der griechischen und der lateinischen Welt sowie den slawischen Völkern. Und vielleicht ist dies gerade hier, an den Ufern des Bodensees, besonders deutlich zu spüren: Wir leben an einem Schnittpunkt von Ländern und Traditionen.

Lasst uns daher zu den Heiligen Kyrill und Methodius beten, sowohl in slawischer als auch in deutscher Sprache: dass sie uns lehren, den Glauben ohne Hass zu bewahren, das Eigene zu lieben, ohne das Fremde zu verachten, und von Christus so Zeugnis abzulegen, dass die Menschen nicht eine fremde, kalte Stimme hören, sondern das lebendige Wort der Liebe. Heilige apostelgleiche Kyrill und Methodius, bittet Gott für uns!“

Nach Abschluss der Liturgie hielt der Klerus eine Lobpreisung zu Ehren des Festes der Himmelfahrt des Herrn und der heiligen Apostelgleichen Cyrill und Methodius. Anschließend wurde dem Heiligen Patriarchen Kyrill, der an diesem Tag seinen Namenstag feierte, ein „Lang lebe der Patriarch!“ zugerufen.

Erzbischof Tichon wandte sich mit einer Ansprache an die Versammelten und hob die Bedeutung der Taten der heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils hervor.

Der Pfarrer der Gemeinde, Priester Konstantin Schmidt, wandte sich mit einer Dankesrede an den amtierenden Bischof, in der er ihm im Namen aller Gottesdienstteilnehmer für die Freude des gemeinsamen Gebets dankte.