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19 Juli 2026 - Am 7. Sonntag nach Pfingsten hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am 7. Sonntag nach Pfingsten hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin

Am 19. Juli 2026, am 7. Sonntag nach Pfingsten, dem Gedenktag des Ehrwürdigen Sisoes des Großen und des Konzils der Heiligen von Radonesch, feierte Erzbischof Tichon von Rusa, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin.

Seiner Eminenz konzelebrierten der Mönchspriester Hilarion (Reznichenko), der Erzdiakon Vitali Sadakov und der Diakon Konstantin Lotichius.

Nach der inbrüstigen Ektenie wurde ein Friedensgebet gesprochen.

Nach Abschluss der Liturgie hielt der Mönchspriester Hilarion eine Predigt zum Thema der Evangeliumslesung:

„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Im heutigen Evangeliumstext haben wir von zwei Wundern gehört, die unser Herr Jesus Christus vollbracht hat: Er heilte zwei Blinde und einen Stummen. Wenn wir uns den verschiedenen Auslegungen dieses Abschnitts zuwenden, werden wir feststellen, dass solche Wunder oft nicht nur wörtlich verstanden werden sollen, sondern dass man in ihnen auch einen spirituellen Sinn finden soll, da es hier um die Sinne des Menschen geht. Der Herr schenkt das Augenlicht und die Sprache zurück – zwei äußerst wichtige Fähigkeiten.

Was das Sehen betrifft, so wird der Glaube oft gerade als die Fähigkeit beschrieben, göttliche Zeichen zu erkennen oder mit den Augen des Herzens Gott selbst zu sehen. Die „Vision Gottes“ ist ein inhaltlich sehr reichhaltiger Begriff. Seit dem Sündenfall sind wir dieser Fähigkeit beraubt, doch ihr erinnert euch sicherlich daran, dass Adam und Eva Gott im Paradies gesehen haben. Jetzt sehen wir Gott nur noch indirekt: Wir spüren Seine Gnade im Gebet oder in den Sakramenten, wir spüren Seine Gegenwart in unserem Leben. Doch aus Sicht der christlichen Glaubenslehre werden die Gerechten nach dem Jüngsten Gericht wieder die Möglichkeit haben, Gott im Himmelreich mit eigenen Augen zu sehen.

Der Text über die Blinden enthält noch weitere wichtige Details. Christus fragt sie, ob sie daran glauben, dass er sie heilen kann. Diese Frage mag seltsam erscheinen, denn offensichtlich konnten sie daran glauben, da sie ihn so eindringlich gebeten hatten, ihnen Beachtung zu schenken. Christus stellt diese Frage nicht nur um ihretwillen, sondern auch um aller Anwesenden willen. Sie sollten ihren Glauben mit eigenen Worten in Gegenwart anderer bekräftigen. Früher hatte das menschliche Wort ein weitaus größeres Gewicht als in der heutigen Welt der Medien und sozialen Netzwerke, in der Menschen Unmengen an Texten, Meinungen und Bewertungen produzieren, ohne dafür irgendeine Verantwortung zu tragen. Deshalb ist die Bekenntnis der Blinden ein sehr wichtiges Zeugnis, um ihre persönliche Standhaftigkeit als Vorbild für andere zu zeigen. Deshalb heilt der Herr sie mit den Worten: „Euer Glaube soll euch helfen“ (Mt 9,29).

Was die Heilung des Stummen betrifft, so können wir hier einen wichtigen Hinweis darauf erkennen, dass gerade der Herr in der Lage ist, dem Menschen „richtige Lippen“ zu geben, die die Wahrheit sprechen und von der Kraft Gottes Zeugnis ablegen. Wir erinnern uns aus dem Text, dass der Herr den Blinden verboten hatte, von dem Wunder zu sprechen, doch sie erzählten es trotzdem allen. Hier hingegen gibt er dem Menschen die Fähigkeit zu sprechen zurück, er gewährt ihm diese Möglichkeit. Und dieser Kontrast sagt uns, dass auch wir unsere Worte kontrollieren müssen: Kommt das, was wir sagen, von Gott? Schafft unsere Rede etwas oder zerstört sie Beziehungen zu Menschen, verletzt sie jemanden? Viele von uns bekennen sich ständig zu Geschwätz, Lästerung und Ähnlichem. Ja, denn die Zunge ist nicht nur eine Gabe und Fähigkeit, sondern auch eine gefährliche Waffe gegen das Gute.

Zum Abschluss dieser Betrachtung über den heutigen Evangelientext, liebe Brüder und Schwestern, sollten wir uns noch einmal an unseren Glauben erinnern, an die Qualität jener inneren Vision, in der sich uns der Herr offenbart, wenn er unsere Reinheit und Bereitschaft sieht. Und wir müssen uns an unser Wort erinnern, das aus unserem Mund kommt: Dient es der Schöpfung als Geschenk Gottes oder verschwendet es dieses Geschenk? Amen.“