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27 März 2026 - Am Festtag der Lobpreisung der Allerheiligsten Gottesmutter hielt Erzbischof Tichon die Matutin und die Liturgie in den Kirchen Berlins

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Am Festtag der Lobpreisung der Allerheiligsten Gottesmutter hielt Erzbischof Tichon die Matutin und die Liturgie in den Kirchen Berlins

Am 27. März 2026, am Vorabend des Samstags der 5. Woche der Fastenzeit, dem Festtag der Lobpreisung der Allerheiligsten Gottesmutter (Akathistos-Samstag), hielt Erzbischof Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Morgengottesdienst mit der Lesung des Akathistos an die Heilige Gottesmutter in der Kathedrale der Auferstehung Christi in Berlin.

Seiner Exzellenz konzelebrierten der Sekretär der Diözese und Kustos der Kathedrale Erzpriester Michail Divakov, der Dekan des Ostbezirks Erzpriester Georgij Antonjuk, Priester Maxim Judakov, Erzdiakon Archil Tschkivadze und Diakon Konstantin Lotichius.

Vier Teile des Akathists wurden vor der Ikone der Gottesmutter „Erbarmen“, vor der Ikone der Gottesmutter „Tichwinskaja“, dann vor der Ikone der Gottesmutter „Odigitria“ und schließlich vor der Pochajew-Ikone der Gottesmutter verlesen.

Am 28. März 2026, dem Festtag selbst, feierte Erzbischof Tichon von Ruza die Göttliche Liturgie in der Kirche des Heiligen Sergius von Radonesch bei der Diözesansitz in Karlshorst (Berlin).

Seiner Eminenz konzelebrierten Priester Oleg Beltek, Diakon Peter Braverman (Hamburg) und Diakon Rostislav Ustimenko.

Nach der inbrünstigen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden vorgetragen.

Nach dem Kommunionvers hielt Priester Oleg Beltek eine Predigt zum Thema des gefeierten Festes:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute sind wir, Brüder und Schwestern, zusammengekommen, um die Gottesmutter zu ehren, da der heutige Tag als Akathistos-Samstag oder Fest der Lobpreisung der Allerheiligsten Gottesmutter bezeichnet wird. Das Fest der Lobpreisung der Allerheiligsten Gottesmutter wird in der Stille der Großen Fastenzeit begangen, und diese Stille hat ihre eigene tiefe Bedeutung und Geschichte. Dieses Fest entstand als Antwort auf die Ängste und Gebete der Menschen, die nicht wussten, wie der morgige Tag enden würde.

Im 7. Jahrhundert, als Konstantinopel von den Persern belagert wurde, versammelten sich die Menschen in den Kirchen und beteten Tag und Nacht. Unter ihnen befand sich der Patriarch von Konstantinopel, Sergius, der eine Ikone der Gottesmutter über die Stadtmauern trug. So bekundeten die Menschen Gott ihre Hoffnung und ihr Vertrauen. Als die Gefahr vorüber war, bewahrte die Kirche die Erinnerung an diese Nacht. Diese Erinnerung wurde in einem Akathistos-Gesang festgehalten. Dabei entstand der Akathistos, den wir gestern gelesen haben, nach und nach. Seine Grundlage bildete der alte Kondakion zur Verkündigung, der mit dem Namen des Ehrwürdigen Romanos des Süßgesängers verbunden ist. Darin erklang bereits das Thema der Begegnung zwischen Gott und Mensch. Später wurden diesem Text die Anrufe „Freue dich…“ hinzugefügt, die sich im Rhythmus von Lobpreis und Gebet wiederholen.

Später, im 8. Jahrhundert, entstand der Kondakion „An den auserwählten Feldherrn…“, der ebenfalls mit der Befreiung Konstantinopels in Verbindung steht, möglicherweise nach der Belagerung durch die Araber. Er wurde Teil des Akathistos, und der gesamte Gesang bewahrte fortan die Erinnerung an die erlebte Rettung und Dankbarkeit. Der Festtag selbst nahm im 9. Jahrhundert Gestalt an und wurde auf den fünften Samstag der Fastenzeit festgelegt. In der Mitte der Fastenzeit, wenn der Christ bereits einige Zeit damit verbracht hat, sich auf sich selbst und sein Leben zu besinnen, bietet die Kirche diesen Dankes- und Lobgesang an, in dem die Worte des Akathistos wie eine Anrede klingen: „Freue dich…“, und in diesen Worten offenbart sich die Gegenwart Gottes im menschlichen Leben.

Die Allerheiligste Gottesmutter zeigt uns ein Beispiel für die menschliche Antwort auf Gott, der den Menschen bewahrt und ihn zur Ganzheit führt. Wir suchen oft nach Klarheit und Gewissheit. Es ist uns wichtig zu verstehen, was geschieht und wohin wir gehen. Und in dieser Suche offenbart sich allmählich, dass der Glaube mit Vertrauen verbunden ist, mit der Fähigkeit, sich nicht zu verschließen, selbst wenn vieles unverständlich bleibt. Diese Erfahrung ist jedem vertraut, wenn auch nicht immer bewusst. Im Leben bleiben viele Fragen, Entscheidungen, die ohne volle Gewissheit getroffen werden, innere Zustände, die sich nicht immer erklären lassen. Und in diesem Moment wird der Glaube zu einer besonderen Aufmerksamkeit für die Gegenwart Gottes, für das, was bereits in der Tiefe unseres Lebens geschieht. Manchmal zeigt sich dies ganz einfach: in der Fähigkeit, nicht verbittert zu werden, sich nicht abzuwenden, trotz Verzweiflung, Müdigkeit oder Angst offen zu bleiben und als Antwort Freude zu zeigen.

Die Heilige Kirche nennt die Gottesmutter „Freude der ganzen Schöpfung“. Diese Freude wird als Erfahrung erkannt, dass der Mensch in seinem Leid nicht allein ist. Wenn wir auf die Gottesmutter blicken und an jene Gnade denken, zu der uns der Herr ruft, wird auch unsere eigene Berufung klarer. In ihr hat sich bereits die Herrlichkeit der erneuerten menschlichen Natur offenbart, als eine Realität, die ins Leben getreten ist. Und diese Herrlichkeit verschwindet nicht, sondern gehört denen, die in Christus leben, die durch die Taufe in sein Leben eingetreten sind und es in sich selbst pflegen. Ihre Mutterschaft beschränkt sich nicht nur auf das, was einmal war. Sie setzt sich fort in Bezug auf jeden, der Gott sucht, der in der Kirche lebt. Darin liegt eine besondere Nähe, in der der Mensch erkennt, dass er nicht verlassen, nicht fremd ist.

Die Heilige Kirche bewahrt ein klares Verständnis davon, wer die Gottesmutter ist. Sie hört nicht auf, Mensch zu sein, sondern wird durch die Gnade über die gesamte Schöpfung erhoben. Ihr Weg offenbart, wie tief der Mensch in seiner Antwort auf Gott vordringen kann. Ihre Demut ist nicht mit einem Bild von Macht oder Herrschaft verbunden; in ihr liegt Einfachheit und Ganzheit, in der der Mensch Geschöpf bleibt und zugleich am göttlichen Leben teilhat. Und deshalb finden wir, wenn wir uns an sie wenden, das Wichtigste: Gott bleibt die Quelle allen Lebens und aller Herrlichkeit, und sie bleibt diejenige, durch die dieses Leben dem Menschen nahe und zugänglich geworden ist und in der wir sehen, wozu wir selbst berufen sind. Amen.“

Nach Beendigung der Liturgie wandte sich Erzbischof Tichon mit einer Predigt an die Betenden. Im Vorfeld der Vorbereitungen für das Osterfest wurden nach dem Gottesdienst Hausarbeiten auf dem Gelände der Diözesanverwaltung sowie Reinigungsarbeiten in der Kirche durchgeführt.