20 September 2026 - In der Woche vor dem Kreuzerhöhungsfest hielt Erzbischof Tichon die Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin
Am 20. September 2026, in der 16. Woche nach Pfingsten, in der Woche vor dem Kreuzerhöhungsfest, am Vorabend des Festes der Geburt der Allerheiligsten Gottesmutter, zelebrierte Erzbischof Tichon von Ruza, Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Auferstehungskathedrale in Berlin.
Am Vorabend, dem 19. September, leitete der Erzbischof die Allnachtwache.
Seiner Eminenz konzelebrierten der Sekretär der Diözese und Domkapitular, Erzpriester Michail Divakov, der Hieromonnach Ilarion (Reznichenko), der Erzdiakon Archil Tschkivadze und der Diakon Konstantin Lotichius.
Im Rahmen der besonderen Ektenie wurde ein Gebet für den Frieden gesprochen.
Nach dem Kommunionvers hielt Erzbischof Tichon eine Predigt zum Thema der Evangeliumslesung:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Wir haben darüber gesprochen, dass der Herr oft Gleichnisse verwendete. Er griff auf Bilder aus dem Alltag zurück, um mit einfachen und für seine Zuhörer verständlichen Worten die geistlichen Wahrheiten über das Reich Gottes tiefer in deren Verstand und Herz einzuprägen. Heute legt uns die Kirche das evangelische Gleichnis des Herrn von den Talenten vor (Mt 25,14–30). Unter einem Talent ist nicht nur die Geldeinheit zu verstehen, die zu Zeiten des irdischen Lebens des Herrn verwendet wurde, sondern auch jede Gabe Gottes, die es im Leben zu verwirklichen und zu vermehren gilt und für die man bereit sein muss, Gott Rechenschaft abzulegen. Hören wir uns an, was in dem Gleichnis gesagt wird.
Ein Herr, der sich auf die Reise in ein fernes Land begab, rief seine Knechte zu sich und gab jedem von ihnen ein Talent mit der Anweisung, sie sollten arbeiten und den ihnen anvertrauten Reichtum vermehren. Nach seiner Rückkehr verlangte der Herr von seinen Knechten Rechenschaft. Der eine, der fünf Talente erhalten hatte, brachte weitere fünf mit. Der zweite, der zwei erhalten hatte, vermehrte sie und brachte zwei weitere. Den einen wie den anderen lobte der Herr und sprach: „Guter und treuer Knecht! Du warst in kleinen Dingen treu, ich werde dich über vieles setzen; tritt ein in die Freude deines Herrn!“ Der dritte hingegen, der ein Talent erhalten hatte, beschloss, anstatt es zu vermehren, das Talent in die Erde zu vergraben und es seinem Herrn zurückzugeben, wenn dieser zurückkehren würde. Als Antwort hörte er von seinem Herrn: „Du böser und fauler Knecht! Hättest du nicht das dir anvertraute Talent vermehren sollen? Nehmt ihm“, befahl er den Dienern, „das Talent weg und gebt es dem, der zehn Talente hat.“
Die Kernaussage dieses Gleichnisses ist, dass es keinen einzigen Menschen gibt, dem keine Begabung gegeben wäre. Jeder von uns hat vom Herrn Begabungen, Fähigkeiten und Talente erhalten, und der Herr ruft jeden dazu auf, sich anzustrengen, damit sie für uns nicht vergeblich verloren gehen. Niemand soll meinen, dass ein einziges Talent zu wenig sei und er im Vergleich zu anderen benachteiligt sei. Der faule und listige Diener dachte, ihm sei zu wenig gegeben worden, ging hin und vergrub das Talent. Als dann die Zeit der Abrechnung kam, begann er, sich zu rechtfertigen. Es fehlte ihm an Dankbarkeit gegenüber Gott, und das beraubte ihn des Reiches Gottes. So gering eine Gabe auch erscheinen mag, ein Talent reicht aus, um ein würdiges Leben zu führen und mit Gott in der gesegneten Ewigkeit zu sein. Gott ruft jeden von uns dazu auf, nicht faul zu sein, sondern zu arbeiten.
Jede Gabe bringt die Verantwortung mit sich, sie zu nutzen. Je mehr Gaben ein Mensch hat, je größere Talente er besitzt, desto größer ist die Verantwortung. Man muss bedenken, dass es für Gott keine Rolle spielt, wie viele Talente man hat. Sie alle stammen von Ihm, dem großzügigen Geber. „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater des Lichts“, hören wir in den Worten des Gebets. Wichtig ist, richtig damit umzugehen. Alles hängt davon ab, wie treu wir dem Herrn sind und wie sehr wir unser Leben anderen Menschen widmen. „Ein Leben, das anderen gewidmet ist“, sagte einmal ein Asket, „bedeutet, alles zu erlangen, was der Herr uns geben möchte.“ Das bedeutet: Je mehr wir anderen Menschen geben, desto mehr gewinnen wir selbst. Das ist ein unumstößliches Gesetz des geistlichen Lebens.
Das heutige Evangelium besagt außerdem, dass nicht nur derjenige verurteilt wird, der Böses tut, sondern auch derjenige, der nichts Gutes tut. Der Apostel Jakobus sagt: „Wer aber weiß, Gutes zu tun, und es nicht tut, dem ist es Sünde“ (Jak. 4,17). Wie wichtig ist es doch, nicht nur Beispiele anzuführen und von tugendhaften Menschen zu sprechen, sie zu bewundern, sondern selbst, indem wir ihnen nacheifern, eilig Gutes zu tun. Da wir verschiedene Gaben haben, liebe Brüder und Schwestern, lasst uns lernen, einander zu dienen, damit wir durch dieses Geben an der Liebe Christi teilhaben. Von niemandem wird mehr verlangt, als er empfangen hat. Aber über das, was uns gegeben wurde, müssen wir Rechenschaft ablegen. Lasst uns die Gaben, die wir von Gott erhalten haben, eilig nutzen, um das ewige Leben und das Himmelreich zu erlangen. Amen.“
Nach dem Gottesdienst hielt er eine Reihe von Arbeitstreffen mit den Geistlichen der Diözese und den Mitarbeitern der Auferstehungskathedrale ab.


