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08 Januar 2026 - Pontifikalamt am Fest der Synaxis der Allerheiligsten Gottesgebärerin in Karlshorst

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (KdöR) > Aktuell > Pontifikalamt am Fest der Synaxis der Allerheiligsten Gottesgebärerin in Karlshorst

Am 8. Januar 2026, am zweiten Tag des Festes der Geburt Christi, dem Fest der Synaxis der Allerheiligsten Gottesgebärerin, feierte Erzbischof Tichon von Ruza, der Leiter der Diözese Berlin und Deutschland, die Göttliche Liturgie in der Kreuzkirche zu Ehren des heiligen Sergius von Radonesch an der bischöflichen Residenz in Berlin-Karlshorst.

Am Vorabend leitete Seine Eminenz die Große Vesper in der Auferstehungskathedrale zu Berlin.

An der Göttlichen Liturgie konzelebrierten Seiner Eminenz der Priestermönch Hilarion (Resnitschenko), Priester Oleg Beltek, Erzdiakon Vitalij Sadakow sowie Diakon Rostislaw Ustimenko.

Nach dem Kommuniomvers hielt Priester Oleg Beltek eine Predigt:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Am Tag nach dem lichtvollen Fest der Geburt Christi richtet die Kirche unser Gedächtnis auf jene, die durch irdische Bande mit dem Erlöser verbunden waren: auf die Angehörigen der Allreinen Jungfrau Maria, auf den gerechten Josef, den Bräutigam, und auf das ganze Geschlecht, aus dem der Herr dem Fleische nach die menschliche Natur annahm und das auf den König David zurückgeht.

Und heute treten zwei wichtige Gedanken besonders klar vor uns hervor. Erstens unsere schwierige Beziehung zur Welt und zu Gott, nämlich die uns scheinbar mögliche gleichzeitige Liebe zu Gott und zur Welt. Das Evangelium sagt uns erschreckende und zugleich erstaunliche Worte: Kaum ist Christus geboren, erhebt sich die Welt bereits gegen Ihn. Der Engel verkündet den Hirten Frieden, doch für den Menschen erweist sich dieser Friede als unerträglich. Derjenige, um dessentwillen Gott Mensch geworden ist, wird verfolgt und soll getötet werden. Josef wird befohlen zu fliehen, das Kind zu retten, das gekommen ist, um alle zu retten. Darin liegt eine erschütternde Wahrheit über die Welt nicht über die Welt als Schöpfung Gottes, sondern über jene Lebensordnung, in der der Mensch sich so sehr an Macht, Sicherheit und gewohnte Ordnung klammert, dass die Gegenwart Gottes für ihn zur Bedrohung wird.

In den ersten Jahrhunderten des Christentums stellte sich der Kirche besonders scharf die Frage: Wer wurde in Bethlehem geboren? War es nur ein großer Mensch, ein Prophet, ein Gerechter oder Gott selbst, der Mensch geworden ist? Gerade deshalb begann die Kirche nach der Bekräftigung des Glaubens an die wahre Menschwerdung Gottes mit besonderer Kraft auch von Derjenigen zu zeugen, durch die diese Menschwerdung möglich wurde. So entstand das Fest der Synaxis der Allerheiligsten Gottesgebärerin nicht nur im Sinne einer Versammlung von Menschen, sondern im Sinne eines geeinten Zeugnisses der Kirche über die Mutter des menschgewordenen Gottes. Dieser Tag ist unsere menschliche Antwort auf Weihnachten. Wenn wir an Weihnachten das Handeln Gottes betrachten, so schauen wir heute auf die menschliche Antwort.

Gott hat alles für uns getan und sich bis zum Ende erniedrigt. Doch ohne die freie Zustimmung des Menschen wäre diese Erniedrigung unbeantwortet geblieben.

Die Geschichte dieses Festes zeigt uns, dass der Mensch angesichts des Kommens Gottes nicht neutral bleiben kann. Die Allerheiligste Gottesgebärerin nimmt den Willen Gottes ganz an, ohne nach Garantien oder Erklärungen zu fragen. Sie nimmt einen Weg an, der durch Gefahr, Verbannung und Ungewissheit führt, und entscheidet sich, bis zum Ende bei Gott zu bleiben. Darin steht sie im Gegensatz zu Herodes, der an der Welt festhält und deshalb alles verliert. Sie gibt alles hin und wird zur Mutter des Lebens.

In jedem von uns gibt es einen Ort, an dem wir Angst haben, Christus hereinzulassen, der uns auffordert, alles zu verlassen, und von dort vertreiben wir Ihn. Deshalb wollen wir so oft die Frömmigkeit bewahren, ohne dabei das aufzugeben, wovon die Welt lebt: ihre Anerkennung, ihre Bequemlichkeit, ihre Selbstsicherheit. Wie der heilige Philaret (Drosdow) schreibt:

„Diejenigen, die zwar wünschen, Gott anzugehören, sich aber noch nicht von der Welt losreißen können, werden vor allem

durch ein dreifaches Band an sie gefesselt: durch den Reiz ihrer Güter, durch die Macht ihrer Beispiele und durch die Hoffnung, den Dienst an Gott mit der Liebe zur Welt verbinden zu können. Das Wort des Evangeliums zerschneidet wie ein geistliches Schwert dieses Geflecht der Täuschungen und offenbart dem freien Auge die Nichtigkeit der Güter der Welt, die Gefährlichkeit ihrer Beispiele und den verborgenen Keim der Feindschaft gegen Gott, der selbst in der scheinbar unschuldigen Liebe zur Welt enthalten ist“.

Weihnachten zeigt uns, dass Christus keinen Bund mit dieser Liebe zur Welt sucht. Er wird in einer Krippe geboren, rettet sich durch die Flucht und gründet Sein Reich nicht durch Macht, sondern durch das Kreuz. Jedes Mal, wenn wir versuchen, Ihn mit dem zu verbinden, was nicht bereit ist, Gott überlassen zu werden, stellen wir uns oft unbemerkt auf die Seite der Angst und der Welt.

Der zweite Gedanke, den dieser Tag in uns weckt, richtet unseren Blick auf die Familie. Wenn wir diesen gesegneten Kreis betrachten die Gottesgebärerin, Josef, der berufen ist, ihre Jungfräulichkeit zu bewahren und in stiller Treue für das Kind und Seine Mutter zu sorgen, dann halten wir unweigerlich inne bei der Bedeutung der Familie als einer von Gott selbst eingesetzten Ordnung und bei der Tiefe der Verantwortung und Liebe, die in ihr verborgen liegt. Die Familie ist die erste Schule der menschlichen Seele. In ihr formt sich das innere Weltbild des Kindes, werden die Grundlagen gelegt, auf denen sein ganzes späteres Leben wächst.

Mit den Jahren verändert sich der Mensch: Er lernt, erweitert seinen Horizont, sammelt Erfahrungen und überdenkt vieles. Doch jene innere Grundordnung des Herzens, jene Maßstäbe, die er in der Kindheit empfangen hat, wirken weiter – oft, ohne dass er es bemerkt. Diese erste Prägung der Seele kann neue Formen annehmen, verschwindet aber selten ganz. Darum trägt die Kirche eine so große Sorge und Verantwortung für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Es geht nicht nur um Wissensvermittlung oder äußere Formen der Frömmigkeit, sondern um die Formung eines Herzens, das fähig ist, die Wahrheit zu hören, das Gute zu erkennen und Gott und den Menschen zu vertrauen.

Mögen uns daher heute die Allerheiligste Gottesgebärerin und das fromme heilige Haus als ein Bild der Ganzheit, der Demut und der Entschiedenheit vor Augen stehen. In ihnen gibt es kein geteiltes Herz. Sie versuchen nicht, Unvereinbares zu versöhnen, sondern wählen Gott und gehen deshalb auch durch die Flucht nach Ägypten und durch die Dunkelheit der Ungewissheit. Amen.“

Nach dem Abschluss der Göttlichen Liturgie wurde die feierliche Verherrlichung des Festes vollzogen. Seine Eminenz gratulierte den Gläubigen herzlich zum Fest der Geburt Christi. Anschließend wurde allen Teilnehmern ein festliches Mittagessen angeboten.